16.symposium 2026 malte lawrenz-quer

Schienengüterverkehr vor großen Herausforderungen

Rund 250 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft und Branche kamen am 13. Januar 2026 zum 16. VPI-Symposium in Hamburg zusammen. In Fachvorträgen beleuchteten Branchenexperten zentrale Themen, die den Schienengüterverkehr aktuell beschäftigen – von der verkehrspolitischen Lage über europäische Regulierung bis hin zu operativen Herausforderungen und technologischen Innovationen.

In seiner Eröffnungsrede ordnete der VPI-Vorsitzende Malte Lawrenz die aktuelle Lage des Sektors ein. „Der Schienengüterverkehr steht vor großen Herausforderungen – politisch, wirtschaftlich und im täglichen Betrieb“, sagte Lawrenz. Entscheidend sei jetzt, geschlossen zu handeln. „Als grenzüberschreitender Verkehrsträger müssen wir Lösungen immer im europäischen Kontext entwickeln. Das gilt für die Infrastruktur ebenso wie für Regularien. Gemeinsames Handeln ist Voraussetzung, um den Sektor nachhaltig zu stärken und seine Leistungsfähigkeit zu sichern.“

Einen umfassenden Blick auf die aktuelle verkehrspolitische Lage warf Stefan Jurisch (VDV). Er zeigte auf, vor welchen strukturellen Aufgaben der Schienengüterverkehr steht und welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um den Sektor zukunftsfähig aufzustellen.

UIP-Präsident Johann Feindert setzte sich kritisch mit nationalen Sonderwegen in der europäischen Sicherheits- und Regulierungspolitik auseinander. Vor dem Hintergrund der vom Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) 2025 verkündeten nationalen Maßnahmen zur Revision von Radsätzen machte er deutlich, dass Sicherheit im Schienengüterverkehr nur europäisch gedacht und umgesetzt werden kann. Nationale Alleingänge gefährdeten Interoperabilität und Effektivität und schwächen insbesondere den grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr.

Als zentrale Grundlage für den weiteren Umgang mit der Thematik verwies Feindert auf den kurz vor Jahresende veröffentlichten Abschlussbericht der Taskforce des Joint Network Secretariat (JNS). Die dort vorgeschlagenen harmonisierten Risikokontrollmaßnahmen seien aus Sicht der Wagenhalter der geeignete europäische Referenzrahmen. Entscheidend sei nun nicht die Einführung zusätzlicher Regeln, sondern die konsequente und einheitliche Anwendung der bestehenden europäischen Vorgaben durch alle Beteiligten.

Auch die Digitale Automatische Kupplung (DAK) stand auf dem Programm des Symposiums. Dr. Fabian Wartzek (DB AG) und Felix Holtmann (WLE) berichteten über den Einsatz der DAK im Projekt DAC4EU und über Erkenntnisse aus dem operativen Betrieb. Einblicke in die EU-Pilotzüge des Projekts PioDAC gaben Dr. Armin Günter (DB Cargo) und Heiko Radke (VERS), die insbesondere auf die Bedeutung von Maintenance Monitoring und betrieblicher Erprobung eingingen. Ergänzend stellte Jörg Stephan (Bundesministerium für Verkehr) die aktuellen Förderrichtlinien des Bundes zur Einführung der DAK vor. Die Beiträge machten deutlich: Tests im realen Betrieb sind entscheidend für eine spätere flächendeckende Einführung.

Stark operativ geprägt war auch der Vortrag von Jan Elfenhorst (EP Cargo) zu den täglichen Herausforderungen der Eisenbahnverkehrsunternehmen während der laufenden Korridorsanierungen. Er zeigte auf, wie stark Bau- und Sanierungsmaßnahmen den Betrieb beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf Qualität, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit hat.

Zum Abschluss rückte der Allgemeine Vertrag für die Verwendung von Güterwagen (AVV) in den Fokus. Karl-Heinz Fehr (VPI), Prof. Dr. Rainer Freise und Christian Kühnast (DB Cargo) beleuchteten den AVV als Basis der Zusammenarbeit zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Wagenhaltern. Im Mittelpunkt standen die jüngsten Änderungen und die Frage, wie der AVV auch künftig eine tragfähige Grundlage für eine verlässliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit bleiben kann.

Am Vorabend des Symposiums kamen rund 450 Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang im Panoramadeck des Emporio Tower in Hamburg zusammen. Symposium und Neujahrsempfang haben sich seit Jahren als feste Termine im Kalender der Branche etabliert.


Fotos frei zum Abdruck unter Nennung „VPI/Zielke“ finden Sie untenstehend im Download.

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