Sicherheit und Interoperabilität brauchen europäische Antworten
VPI-Mitgliederversammlung und Technische Informationsveranstaltung (TIV) am 17./18. Juni in Frankfurt a. M.
Sicherheit und Interoperabilität brauchen europäische Antworten
- VPI fordert mehr Tempo bei Trassenpreisenreform sowie eine mit dem Sektor abgestimmte Korridorsanierung
- Wagenhalter warnen vor nationalen Alleingängen von Sicherheitsbehörden zulasten von Interoperabilität und Wettbewerbsfähigkeit des SGV
- Technische Kommission stärkt internationale Ausrichtung
- Mehr als 200 Fachleute diskutieren gemeinsame europäische Lösungen für Sicherheit, Interoperabilität und Innovation im Güterwagenverkehr
Frankfurt am Main, 18. Juni 2026 – Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) blicken mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung des Schienengüterverkehrs. Auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am 17. Juni machte VPI-Vorsitzender Malte Lawrenz deutlich, dass die Branche nicht nur unter der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung leidet. Viele aktuelle Herausforderungen seien vielmehr Ergebnis unzureichender politischer Entscheidungen und einer mangelnden Umsetzung wichtiger Vorhaben.
„Entscheidend ist nicht die Ankündigung von Maßnahmen, sondern ihre stringente und praxistaugliche Umsetzung. Genau hier sieht der VPI derzeit erhebliche Defizite“, sagte Lawrenz vor den Delegierten.
Als Beispiele nannte er die Generalsanierung des Schienennetzes und die weiterhin ausstehende Reform der Trassenpreise. Die Modernisierung der Infrastruktur werde vom Sektor unterstützt, dürfe jedoch nicht durch unzureichendes Baustellenmanagement zu dauerhaften Verkehrsverlusten führen. Zugleich brauche es bei den Trassenpreisen endlich den angekündigten Systemwechsel. Die Unternehmen seien auf verlässliche und planbare Rahmenbedingungen angewiesen, um Investitionen und Verkehre langfristig kalkulieren zu können.
Der Verband fordert den Bundesverkehrsminister zudem auf, den Dialog mit dem Sektor wieder aufzunehmen. „Wer mehr Verkehr auf die Schiene bringen will, muss auch mit den Unternehmen sprechen, die diesen Verkehr täglich organisieren“, betonte Lawrenz.
Mit Blick auf die Diskussionen nach dem Unfall im Gotthard-Basistunnel warnte der VPI vor nationalen Alleingängen, die Sicherheit und Interoperabilität gegeneinander ausspielen. Gemeinsame Verfahren wie die Joint Network Secretariat (JNS) müssten gestärkt werden, um die Leistungsfähigkeit des grenzüberschreitenden Schienengüterverkehrs dauerhaft zu sichern.
Technische Kommission setzt europäische Akzente
Die anschließende 26. Technische Informationsveranstaltung (TIV) am Folgetag griff diese Themen auf und vertiefte sie aus technischer Perspektive. Das von der Technischen Kommission des VPI organisierte Update zu aktuellen Entwicklungen im Güterwagenverkehr brachte mehr als 200 Fachleute aus Wagenhalterunternehmen, Werkstätten und weiteren Unternehmen des Sektors in Frankfurt zusammen.
Die Veranstaltung fand erstmals unter der Leitung des neuen Führungsduos der Technischen Kommission statt. Seit Jahresbeginn führen Frank Sadowski als Vorsitzender und Stefan Franke als stellvertretender Vorsitzender das Gremium. Gemeinsam wollen sie die europäische Ausrichtung der Kommissionsarbeit stärken und die technische Expertise des Sektors noch sichtbarer in internationale Diskussionen und Entscheidungsprozesse einbringen.
Ein sichtbares Zeichen dieses Anspruchs setzte die TIV selbst: Erstmals wurde die Veranstaltung vollständig zweisprachig mit Simultanübersetzung in Deutsch und Englisch durchgeführt.
Die inhaltlichen Leitplanken setzte Stefan Franke in seiner Eröffnungsrede. Mit Blick auf die Diskussionen nach dem Unfall im Gotthard-Basistunnel betonte er die Bedeutung gemeinsamer europäischer Grundsätze für den Schienengüterverkehr. Sicherheit und Interoperabilität seien keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Gleichzeitig warb Franke dafür, Innovationen schneller in die Praxis zu überführen.
Die Vorträge spannten den Bogen von den Lehren aus dem Gotthard-Unfall über gemeinsame Sicherheits- und Entscheidungsprozesse bis hin zu aktuellen Projekten rund um die Digitale Automatische Kupplung (DAK), moderne Instandhaltungsverfahren und neue technische Entwicklungen im Güterwagenbereich.
Die Diskussionen machten deutlich: Sicherheit, Instandhaltung und Interoperabilität lassen sich im europäischen Schienengüterverkehr nur gemeinsam denken. Entsprechend groß war die Einigkeit unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass technische Herausforderungen künftig noch stärker auf europäischer Ebene diskutiert und gelöst werden müssen.
Downloads - Fotos frei zum Abdruck unter Nennung „VPI/H. Zielke“
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